Von Matthias Werner, CRM and RevOPs Specialist  – August 2026

Die meisten professionellen Sportvereine segmentieren ihre Fans danach, was sie kaufen, wie alt sie sind oder wie häufig sie eine E-Mail öffnen. Diese Methoden sind sinnvoll. Doch sie lassen die reichhaltigste Quelle für Verhaltensdaten außer Acht, die jeder Verein bereits besitzt.

Jeder Spieltag, jedes verkaufte Ticket und jede Dauerkarten-Verlängerung erzeugt einen präzisen, mit Zeitstempel versehenen Datensatz darüber, wie Fans ihren Verein unterstützen. Diese Daten sind für das Verständnis von Fans oft wertvoller als demografische Profile oder Engagement-Kennzahlen. Trotzdem bleiben sie bei den meisten Vereinen im Ticketingsystem und erreichen weder das CRM noch die Personen, die über die Fan-Kommunikation entscheiden.

Ticketdaten als Fundament von CRM und CDP

Bevor Social-Media-Signale, E-Mail-Öffnungsraten oder Website-Analytics hinzukommen, liegen die verlässlichsten Verhaltensdaten eines Vereins bereits im Ticketingsystem. Denn dort wird erfasst, was wirklich zählt: tatsächliche Kaufentscheidungen.

  • Wer kauft: Dauerkarten, Flex-Pässe, Einzeltickets.
  • Was: Kategorie, Preisstufe, Zusatzleistungen.
  • Wann: wie früh, in welchem Verkaufsfenster und zu welchem Preis.
  • Für welchen Gegner: Heimspiele, Auswärtsspiele, große Rivalen, Freundschaftsspiele.
  • Wie regelmäßig: Verlängerungsverhalten über mehrere Saisons hinweg.

Dabei geht es nicht nur um Absichten oder Klicks, sondern um finanzielle Entscheidungen. Ein Fan, der im Juli eine Dauerkarte für 400 Euro kauft, zeigt ein grundlegend anderes Verhalten als jemand, der für 30 Euro ein Einzelticket für ein Spitzenspiel kauft. Im CRM können beide als „aktive Fans“ geführt werden. Beide öffnen vielleicht denselben Newsletter. Ihre Beziehung zum Verein ist dennoch eine völlig andere.

Der Wert einer Segmentierung anhand von Ticketkäufen

Sobald Ticketdaten in ein CRM oder eine CDP fließen, können Vereine ihre Fans anhand von Dimensionen segmentieren, die sich aus tatsächlichen Käufen ableiten lassen:

Der Bindungsgrad unterscheidet loyale Käufer von gelegentlichen Besuchern. Dauerkarteninhaber, die unabhängig vom Spielplan verlängern, bilden ein grundlegend anderes Segment als Fans, die nur zu Topspielen kommen. Untersuchungen im deutschen Profifußball bestätigen diesen Unterschied auch auf Verhaltensebene: Dauer- und Freikarteninhaber weisen deutlich höhere No-Show-Raten auf als Käufer bezahlter Tageskarten, weil ihre finanzielle Entscheidung bereits im Voraus getroffen wurde. [1]

Der Kaufzeitpunkt gibt Aufschluss über das Planungsverhalten. Frühe Käufer sind tendenziell stärker gebunden und haben einen höheren Customer Lifetime Value. Späte Käufer reagieren möglicherweise auf völlig andere Kommunikationsimpulse. AFC Ajax nutzte Machine Learning auf CRM-Daten, um Fans in unterschiedliche wertbasierte Segmente zu clustern. Der Kaufzeitpunkt war dabei ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. [2]

Die Gegnerabhängigkeit zeigt, welche Fans vor allem aus sportlichem Interesse kommen und welche stärker durch soziale Faktoren oder Gewohnheiten geprägt sind. Vereine können beispielsweise Fans identifizieren, die regelmäßig zu Auswärtsspielen gegen große Clubs reisen, Freundschaftsspiele unter der Woche aber auslassen. Alter, Postleitzahl oder E-Mail-Verhalten bilden solche Muster nicht ab.

Die fehlende Dimension: Reaktionen auf Preise

All diese Erkenntnisse lassen sich bereits aus Ticketkaufdaten gewinnen. Die nächste Ebene wird jedoch sichtbar, sobald Vereine analysieren, wie sich dieselben Fans bei unterschiedlichen Preisniveaus verhalten.

Wenn ein Verein Ticketpreise verändert, sei es zu Beginn einer neuen Saison, für eine bestimmte Spielkategorie oder innerhalb eines Aktionszeitraums, reagieren Fans auf drei unterschiedliche Arten:

Preisunempfindliche Käufer kaufen unabhängig vom Preis. Dabei handelt es sich typischerweise um Fans mit besonders hoher Identifikation, für die der Stadionbesuch nicht zur Diskussion steht. Eine Studie der Wittenborg University zeigt, dass die Identifikation mit dem Team einen erheblichen Teil der Kaufabsicht erklärt und damit Preisbarrieren teilweise neutralisiert. [3]

Preissensible Käufer reagieren auf Preisveränderungen. Sie kaufen später, warten auf Frühbucherangebote oder entscheiden je nach Preis-Leistungs-Verhältnis, welche Spiele sie besuchen. Das ist keine mangelnde Loyalität, sondern rationales wirtschaftliches Verhalten von Fans, die ihren Verein innerhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten unterstützen möchten.

Gelegenheitsbesucher liegen dazwischen. Ihr Stadionbesuch korreliert stärker mit der Attraktivität des Gegners und dem Spieltermin als allein mit dem Preis. [1]

Ohne eine Integration von Ticketing und CRM bleiben diese Muster unsichtbar. Ein CRM, das ausschließlich E-Mail-Engagement sieht, kann nicht erkennen, ob ein Fan zum regulären Preis gekauft, auf einen Rabatt gewartet oder auf einen Stadionbesuch verzichtet hat, weil ihm der Preis zu hoch war.

Warum die Integrationslücke relevant ist

Die Daten existieren in fast jedem Verein. Entscheidend ist, wo sie liegen und wer darauf zugreifen kann.

Ticketingplattformen arbeiten häufig isoliert. CRM-Systeme segmentieren Fans, ohne Zugriff auf Kaufverhalten auf Transaktionsebene zu haben. Customer Data Platforms importieren Social- und E-Mail-Signale, aber nicht unbedingt Daten vom eigentlichen Point of Sale. Dadurch treffen Marketingteams Segmentierungsentscheidungen auf Basis indirekter Verhaltensindikatoren statt anhand der tatsächlichen Kaufdaten, die die realen Segmente sichtbar machen würden.

Für diese Integration müssen weder neue Daten erhoben noch zusätzliche Umfragen durchgeführt werden. Ticketingsysteme erfassen bereits Zeitstempel, Preise, Kategorien und Verkaufskanäle. Ein einfacher Score für die Preisreaktion kann an jedes bestehende Fanprofil angehängt werden: Wie schnell kauft ein Fan nach einer Preisänderung? Wartet er auf Aktionen? Wie stark hängt seine Besuchsentscheidung von der Attraktivität des Gegners ab?

Wenn Vereine ihre Fansegmente durch die Perspektive realer Kaufdaten verstehen, kann Kommunikation deutlich gezielter werden. Einem preisunempfindlichen Dauerkarteninhaber dieselbe Botschaft zu schicken wie einem preissensiblen Gelegenheitsbesucher ist nicht nur ineffizient. Im schlimmsten Fall bringt man dem loyalen Käufer damit bei, auf Rabatte zu warten, die er vorher gar nicht gebraucht hätte.

Fazit

Jeder professionelle Verein verfügt bereits über diese Daten. Die entscheidende Frage ist, ob Ticketdaten lediglich als Transaktionshistorie betrachtet werden oder als Verhaltensfundament, auf dem jede Fansegmentierung aufbauen sollte.

Ist diese Verbindung erst einmal hergestellt, ist der nächste logische Schritt zu verstehen, wie unterschiedliche Fansegmente auf Preise reagieren. Vereine, die Ticketdaten zum Fundament ihres CRM machen, können Fans gezielter ansprechen, ohne dabei die Integrität ihrer Preisstrategie zu gefährden.

Jeder professionelle Verein verfügt bereits über diese Daten. Die entscheidende Frage ist, ob Ticketdaten lediglich als Transaktionshistorie betrachtet werden oder als Verhaltensfundament, auf dem jede Fansegmentierung aufbauen sollte.

Ist diese Verbindung erst einmal hergestellt, ist der nächste logische Schritt zu verstehen, wie unterschiedliche Fansegmente auf Preise reagieren. Vereine, die Ticketdaten zum Fundament ihres CRM machen, können Fans gezielter ansprechen, ohne dabei die Integrität ihrer Preisstrategie zu gefährden.

Quellen

  1. Smart Pricer Studie zum No-Show-Verhalten im deutschen Profifußball: https://www.smart-pricer.com/de/einwurf-aus-der-wissenschaft-was-wissen-wir-ueber-no-show-verhalten-im-profifussball/
  2. Studie zur CRM-basierten Fansegmentierung bei AFC Ajax mittels unüberwachtem Machine-Learning-Clustering: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11378343/
  3. Studie der Wittenborg University zur Preisgestaltung von Fußballtickets (Pahwa, Georgievski, Kaper), Advances in Consumer Research, 2025: https://www.wittenborg.eu/how-football-ticket-pricing-shapes-fan-emotion-and-purchase-behaviour.htm

Zum Autor

Matthias Werner unterstützt Profifußballclubs dabei, die vorhandenen Fandaten besser zu nutzen.

Sein Schwerpunkt liegt auf CRM, Marketing Automation und Datenintegration. Dabei geht es vor allem darum, fragmentierte Systeme und Transaktionsdaten in nutzbare Fanprofile, präzisere Segmentierung und bessere kommerzielle Entscheidungen zu überführen.

Bevor er High Block gestartet hat, war Matthias mehrere Jahre in einem B2B-Softwareunternehmen für Datenintegration tätig. Dort arbeitete er an der Schnittstelle von Finance, Analytics und Revenue Operations und baute Strukturen, Prozesse und Systeme für ein wachsendes Technologieunternehmen auf.

Auf LinkedIn teilt Matthias regelmäßig praxisnahe Einblicke rund um Fandaten, CRM und Commercial Operations im Profisport. Dort kann man ihm folgen oder unter highblock.pro mehr über seine Arbeit erfahren.

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